NS-Raubkunst: SPK restituiert an Cassirer-Erben

News vom 03.03.2025

Die SPK hat die Werke „Bildnis Bruno Cassirer“ und „Der Vater Bruno Cassirers auf dem Totenbett“ an die Erben des Berliner Kunsthändlers und Verlegers Bruno Cassirer restituiert. Sie bleiben Teil der Sammlung der Alten Nationalgalerie, für die sie mit Unterstützung der Ernst von Siemens Kunststiftung erworben werden konnten. Ab dem 4. März 2025 wird das „Bildnis Bruno Cassirer“ in der Dauerausstellung der Alten Nationalgalerie im 2. Obergeschoss präsentiert. Das zweite Gemälde, „Der Vater Bruno Cassirers auf dem Totenbett“ soll im nächsten Jahr gezeigt werden.

Zwei alte Ölgemälde
Max Slevogt: „Bildnis Bruno Cassirer“ (1911) und „Der Vater Bruno Cassirers auf dem Totenbett“ (1924), © Nationalgalerie, SMB / Jörg P. Anders und © bpk / Nationalgalerie, SMB / Andres Kilger (resp.)

Bruno Cassirer war Verleger, Galerist und Pferdezüchter. Mit seinem Cousin Paul Cassirer führte er ab 1898 die Bruno & Paul Cassirer, Kunst- und Verlagsanstalt, im Berliner Tiergartenviertel, die unter anderem Max Liebermann und Max Slevogt vertrat. Mit Slevogt verband Bruno Cassirer auch eine persönliche Freundschaft. Auch wenn es keinen ganz eindeutigen Beweis gibt, konnten die beiden Werke aufgrund zahlreicher Indizien der Sammlung Cassirer zugeordnet werden. Deshalb einigte sich die SPK mit den Erben, mit denen sie seit Ende 2023 im Austausch stand, auf eine Rückgabe mit einem Rückkauf als gerechte und faire Lösung.

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 begannen die Repressalien gegenüber der jüdischen Familie. Bruno Cassirer wurde am 25.02.1937 die Mitgliedschaft in der Reichsschrifttumskammer entzogen. Damit fiel jede Möglichkeit einer Fortsetzung seiner beruflichen Laufbahn weg. Cassirer emigrierte daraufhin im Jahr 1938 nach England. Der Verlag wurde auf Grundlage der „Verordnung über den Einsatz des jüdischen Vermögens“ 1938 aufgelöst. Sämtliches verbliebene Vermögen, darunter zwei Häuser und die Kunstsammlung, wurden vom „Reichskommissar für die Behandlung feindlichen Vermögens“ eingezogen. Die Verwertung des Vermögens fand zwischen 1941 und 1944 statt. Im März 1944 wurden Teile der beschlagnahmten Kunstsammlung Bruno Cassirers im Auftrag des Oberfinanzpräsidenten Berlin-Brandenburg zwangsversteigert.

Die beiden Werke, die sich heute in der Nationalgalerie befinden, erwarben die westberliner Staatlichen Museen, Preußischer Kulturbesitz in den 1960er Jahren bei dem Kunsthändler und Verleger Wolfgang Gurlitt: 1961 kauften sie das „Bildnis Bruno Cassirer“ für 5.800 DM bei dessen Münchner Galerie. Das Werk „Der Vater Bruno Cassirers auf dem Totenbett“ schenkte Wolfgang Gurlitt der Nationalgalerie 1963. Beide Kunstwerke enthalten zwar keine Provenienzmerkmale, die auf die Sammlung Bruno Cassirer hinweisen, auch sind sie auf keiner Liste der Werke in Cassirers Besitz ausdrücklich genannt. Dennoch lassen Indizien, die im Rahmen der Provenienzforschung zusammengetragen wurden, die Zuordnung mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zu. So ist bekannt, dass Gurlitt auf der Zwangsversteigerung der Cassirer-Sammlung 1944 drei Werke kaufte. Aus späteren Schriftwechseln, die Gurlitt mit weiteren Personen führte, kann entnommen werden, dass darunter diese beiden Ölgemälde waren.

Schon 2002 und 2016 hat die SPK an die Erben nach Bruno Cassirer restituiert: 2002 waren aus dem Kupferstichkabinett 156 Grafiken, 145 Federzeichnungen von Max Slevogt, eine Tuschzeichnung von Lovis Corinth und zehn Aquarelle von Karl Walser an die Erben restituiert worden. Aus dem Bestand der Staatsbibliothek zu Berlin wurden 2016 illustrierte Bücher in kleiner Auflage, Zeichnungen und druckgrafische Werke restituiert und anschließend für die Staatsbibliothek angekauft.

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